28.12.05 – Queanbeyan (fragt uns nicht, wie man’s ausspricht), Nähe Canberra (von Simon)

Am Anfang hab ich unsere Klimaanlage im Auto noch ein wenig belächelt. Auch, wenn man meist nur 100 km/h fahren darf, reichte der Fahrtwind doch immer aus, den Innenraum auf erträgliche Temperaturen zu bringen. Tja, jetzt sind wir heute nach Canberra gefahren, Luftlinie vielleicht 100 Kilometer von der Küste weg, aber hey, es ist so dermaßen heiß hier! Man merkt (ohne Übertreibung) keinen Temperaturunterschied, wenn man die Hand während der Fahrt im Auto hat oder aus dem Fenster hält. Also läuft die Klimaanlage jetzt die ganze Zeit auf vollen Touren.

Canberra war genau so langweilig, wie uns alle erzählt haben, also waren wir hier auch gerade mal 3 Stunden – schnell auf den hiesigen Fernsehturm, zum Parlamentshaus, Kriegsdenkmal und in einer Einkaufspassage Kaffeetrinken. Deshalb nun auch von mir die Zusammenfassung der letzten Tage.

Zum Wilson Promotory National Park: Dass dieser Park berühmt für seine Vielfalt an extrem giftiger Schlangen ist, erfährt man auf keinem der Infoblätter, die man in die Hände bekommt. Da stehen dann Sätze wie “für Tierbeobachter ein Paradies” oder “der Nachtspaziergang lässt Naturliebhabern das Herz höher schlagen”. Das Herz schlägt besonders hoch, wenn man schon etwa eine Stunde lang in den Busch gewandert ist und dann dort die erste Schlange den Weg kreuzt (zwischen Carina und mir durch). Folgende Erkenntnis kann ich weitergeben: Schlangen sind a) sauschnell; ich konnte nur noch sagen “Arg, da ist, da war ein Schlange!”, b) es ist etwas VÖLLIG anderes, wenn die Schlange sich hinter Glas schlängelt oder man weiss, dass sie nicht giftig ist – die Tatsache, dass einem so ein kleines Viech geschwind das Lebenslicht ausblasen kann, lässt einen gewissen Respekt aufkommen.

Nachdem ich dann sogar vor einem Sumpf-Skink (eine Art 30-40cm Eidechse) erschrocken bin und genau so reagiert hab, wie man nicht sollte (reflexartig einen Meter weit in den Wald gesprungen), war der Wanderweg auch zum Glück bald zu Ende. Damit war dann auch der Wanderbedarf für die nächsten Tage gedeckt und ich musste mir eine neue Sportart suchen. Was liegt im Surferland Nummer Eins näher, als zu surfen? Nun sind Surfbretter auch hier nicht gerade billig, was mich recht schnell zu einem Boogieboard brachte – das auch noch reduziert war, auf schlappe 35 Dollar – geschenkt. Um den Meeresbewohnern gleich von vornherein klar zu machen, dass hier ein neuer Meister am Start ist, hab ich mir auch noch das gefährlichste Design von allen ausgesucht: Ein Totenkopfpiratendrachen-Board!

Piratenboard

Und, was soll ich sagen? Ich hab das voll drauf! Gut, mein gesamtes Boarderwissen hab ich von einem 10jährigen Japaner abgeschaut, der das Board wohl auch erst seit ein paar Stunden sein Eigen nannte und außerdem (unfairerweise) seine Mutter dabei hatte, die ihm den nötigen Schwung mitgab, um ideal in die Welle zu kommen. Aber auch ohne diese Hilfe (Carina wollte mich nicht ziehen..) hab ich schon ganz ordentliche Ergebnisse erzielt.

Zu Jindabyne: Wir waren dann tatsächlich auf dem Mount Kosciuszko und auch trotz Lift braucht man bis zum Gipfel (für westeuropäische Verhältnisse lächerliche 2228m) immer noch etwa 2 Stunden, zurück ebenfalls diese Zeit. Wir waren deutlich schneller als die angegebene Zeit von 4-6 Stunden, sind ja aber mittlerweile auch schon professional hikers. Abends (nach dem riesigen 20-Doller-Steak) wurden wir noch von den Motelbesitzern auf “einen Drink” eingeladen – bei dem wir unter anderem erfuhren, dass die unseren Weg kreuzende Schlange eine Copperhead war, die wohl recht giftig sein muss. Der Drink zog sich bis um zwei heute Nacht (vielleicht auch ein Grund, warum ich mich in Canberra nicht wirklich wohl gefühlt hab), Carina weiss jetzt, wie man Känguru kocht und ich, warum in Australien so viele arbeitslos sind (weil man nicht gearbeitet haben muss, um Geld zu bekommen).

Lizard in den Snowy Mountains

Sonstiges:

Sydney schreibt man mit zwei Y und nicht Sidney, wie ich’s schon geschrieben hab!

Weder der Ticker mit aktuellem Standort, noch die Routebeschreibung ist im Moment aktuell. Ab morgen sind wir in Sydney und da hoffe ich mal, dass WLANs wieder verbreiteter sind und ich dementsprechend mehr Zeit habe, die Seiten mal wieder auf einen aktuellen Stand zu bringen.

Seit Neuseeland versuchen wir zu beobachten, wie herum sich der Wasserstrudel in einem Spülbecken dreht. Leider wissen wir beide nicht mehr, wie rum er sich in Deutschland dreht, können aber folgende Beobachtung wiedergeben. Auf der Südhalbkugel gibt es zu 80% KEINE Drehung und zu 20% gibt es eine, deren Richtung wir aber gleich nach der Beobachtung vergessen haben.. Das hilft jetzt weiter, gell? Wir bleiben an der Sache dran!

Gegen die allgegenwärtigen Mücken haben wir uns schicke Hüte mit Gesichtsschutz gekauft. Leider sehe ich darin aus wie ein schwuler Imker und habe ihn dementsprechend fast nur in geschützter, privater Atmosphäre auf: Klick!

“Will You Zip Me Up?” heißt übersetzt “Kannst Du mir den Reißverschluss zu machen?” Da wirft sich bei mir die Frage auf, warum dieser Satz in einem Wörterbuch steht. Angenommen, ich bin in dem Alter oder Zustand, dass ich mir meinen Hosenstall nicht selbst zu machen kann, kann ich dann (noch) lesen? Und, angenommen, ich kann lesen, mir den Reißverschluss aber nicht selbst zumachen; warum sollte ich einen Engländer fragen wollen, ob er mir hilft? Hilfsbereit sind sie ja die Australier und sicherlich ist es auch übel, wenn einem mitten im Outback der Hosenstall aufgeht, aber ich glaube, die Blöße, einen Einheimischen um die helfende Hand zu bitten, würde ich mir nicht geben wollen. Der Satz ist auf jeden Fall gespeichert und man weiss ja nie, ob man nicht mal in so eine Situation gerät.

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